Wie Showhypnose funktioniert

Wie funktioniert Showhypnose?

Hypnose wird gerne als mystische und okkulte Kraft dargestellt, die es ermöglicht, einfluss auf den willen von Menschen zu nehmen, und Kontrolle über sie auszuüben. Nichts untermauert diese These so sehr wie die Showhypnose. Wie Showhypnose funktioniert und das Bild des kontrllierenden Hypnotiseurs aufrechterhält erfährst du in den folgenden Zeilen.

Mein Anliegen hier auf dieser Website und auch mit meiner sonstigen Arbeit (Hypnosen, Seminare, Infoabende, Gruppentrancen etc.) ist es zur Entmystifizierung von Hypnose beizutragen, um eine aufgeklärte Sichtweise des Themas Hypnose zu ermöglichen so dass das Potential, das hypnotische Zustände beiinhalten von Medizinern, Therapeuten und auch Privatpersonen erkannt und genutzt werden kann.

Im Gegensatz zu all diesen Ausführungen steht vor allem eines: die Showhypnose.

Die Frage von vielen Klienten nachdem ich ihnen meine Auffasssungen zur klinischen Hypnose dargestellt habe ist ungefähr folgende:

Warum machen die Menschen sich bei der Showhypnose zum Affen und befolgen jeden Befehl des Hypnostiseurs?

Im Folgenden schreibe ich nun warum Showhypnose funktioniert, was für Methoden angewandt werden und was für Tricks dafür sorgen, dass der Eindruck entsteht, dass der Hypnotiseur die Kontrolle über die Menschen übernommen hat.

Starke Selektion ist das wichtigste

Folgende Szene: Du bist Showhypnotiseur und stehst auf einer Bühne. Vor dir sind ungefähr 200 Menschen, die zu deiner Hypnose-Show gekommen sind. Nun fragst die Menge, wer denn auf die Bühne kommen möchte.

Es wird folgendes passieren. Während die Scheinwerfer ihr Licht durch das Publikum strömen lassen wird es Menschen geben, die in ihren Sitzen am liebsten versinken würden und vermutlich in ihrem inneren so etwas sagen wie „bloß nicht ich, bloß nicht ich“. Und andere werden aber in den Sitzen leicht nach vorne gerückt sitzen einen neugierigen Gesichtsausdruck haben und sich freiwillig melden. Und nun die entscheidende Frage:

Welche Personen würdest du auf die Bühne bitten?

Selbstveständlich die Neugierigen, die offensichtlich unbedingt auf die Bühne wollen.

Hier wurde dier erste wichtige Schritt gemacht.

Alle die im Publikum bei der Showhypnose sitzen, wissen was auf sie zukommt

Das bedeutet auch, dass alle, die sich freiwillig melden, und die gerne auf die Bühne kommen sich unbewusst schon darauf eingelassen haben, alles zu tun, wovon sie ausgehen können, was in einer Showhypnose passiert. Und dass beinhaltet eben auch wie ein Huhn zu gackern, oder Rasierschaum für Zitroneneis zu halten, wenn der Hypnotiseur das von ihnen verlangt. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Von diesen 200 Menschen sind nun ungefähr 20 motivierte Freiwillige auf der Bühne, die sich gegenseitig nicht kennen. Nun passieren zwei Sachen:

  1. Soziale Seperation: Die Menschen sind einander unbekannt und so werden Gruppendynamische Prozesse weitgehend unterbunden. Typisches Beispiel wäre das Alphamännchen in einer Teeniegruppe, der den Hypnotiseur vereimern möchte und nur mitspielt um ihn dann vorzuführen. Ein Alphamännchen ohne Gruppe ist nun aber seiner „Alpha“ Position enthoben und nur einer von vielen auf der Bühne ohne seinen Status.
  2. Die Selektion geht weiter:

Der Showhypnotiseur tritt sehr autoritär auf.

Jeder, der nicht sofort die Anweisungen des Hypnotiseurs befolgt wird rausgeschmissen.

Hierfür gibt es sogenannte Compliance-Tests (engl: compliance – Zustimmung / Befolgung).

Typische Compliance-Tests sind sogenannte unsinnige Anweisungen zum Beispiel so etwas wie: „Jetzt setzt euch bitte alle auf die vordere Stuhlkante, stellt eure Beine Parralel auf den Boden und streckt die Arme nach vorne aus.“ Hier wird es einige geben, die diese Ausführungen sofort befolgen werden, und andere, die zögern.

Der Showhynotiseur merkt sich hier genau, wer gezögert hat und bittet sie bei der nächsten Gelegenheit von der Bühne.

Typischerweise wird zusammen mit der Compliance auch die Suggestibilität gestestet.

Wenn nun die 20 Freiwilligen auf der Bühne stehen werden sogenannte Suggestibilitätstests in der gruppe gemacht.

Mit der Suggestibität wird getestet, wer spontan und schnell auf direktive suggestive Hypnose anspricht. Für die therapeutische Nutzung von Hypnose haben diese Tests keine Aussagekraft.

Mit Hilfe dieser Tests kann der Hypnotiseur nun recht herausfinden, wer besonders gut auf seine Suggestionen anspricht. Bei 20 Personen sind das ca. 2-4 Menschen. Es wird eine große Zahl von Menschen geben, die befriedigend auf seine Suggestionen ansprechen und auch einige die gar nicht ansprechen.

Alle die nicht sofort suggestibel sind fliegen raus.

Hier eine Übersicht, über die Faktoren, die bis hierhin wirken:

  1. Unbewusste „ja“ Haltung zur Showhypnose durch das Freiwillig melden
  2. Soziale Isolation – Die Probanden werden aus ihrem sozialen Kontext gerissen
  3. Selektion aus dem Publikum
  4. Aussortieren von Probanden, die nicht schnell Anweisungen befolgen (compliance)
  5. Aussortieren von Probanden, die nicht auf die Suggestibilitätstests reagieren

Nun sind in unserem Beispiel von den 20 Personen nach den ersten drei Suggestibilitätstests noch ungefähr 10 übrig.

Von diesen 10 Menschen weiß der Hypnotiseur, dass es 2-3 Menschen gibt, die hochsuggestibel sind und 7-8 die suggestibel genug sind, dass er mit ihnen allerlei unterhaltsame Sachen machen kann.

Die 10 Menschen die noch auf der Bühne stehen wissen auch, dass in den letzten Runden pro Runde immer mindestens 3 von der Bühne geschickt wurden.

Unbewusst und zum Teil auch beswusst wissen sie, dass sie wenn sie auf der Bühne bleiben wollen besser alles machen, was der Hypnotiseur ihnen sagt.

Mit anderen Worten: sie befinden sich unter enormem Druck.

Nun folgen die ersten Schnellinduktionen, die Suggestibilitätstests sind vorbei, es geht nun richtig zur Sache.

Was hierbei wichtig zu erähnen ist ist folgendes:

Jeder Suggestibilitätstest ist eine Hypnoseinduktion.

Das heißt, dass sie zu diesem Zeitpunkt schon 3 mal in immer tiefere Trancezustände geführt wurden, bevor die erste „offizielle“ Hypnose stattfindet (siehe Fraktionierung), sie sind schon längst in Trance.

Es folgen nun also die Schnellinduktionen. Während die anderen zuschauen, wird eine Person, die zuvor besonders gut mitgemacht hat mit einer Schnellinduktion hypnotisiert. So wissen die Anderen genau wie sie reagieren müssen. Sie werden durch das Zuschauen und ihre Erwartung, die sie schon vor der Show hatten konditioniert, auf das Wort „Schlaf“ in Kombination mit der entsprechenden Hypnoseeinleitung zu reagieren.

In der Regel demonstriert der Hypnotiseur nun Trancephänomene und findet so noch einmal heraus, wer besonders gut auf seine Suggestionen anspricht.

Wer hierbei nicht mitmacht fliegt raus und die, die nur durchschnittlich auf seine Suggestionen ansprechen, lässt er eben in Trance links liegen und macht seine Show mit denen die gut mitmachen weiter.

Nun sind von den ursrprünglich 20 Menschen auf der Bühne noch 7 da (3 wurden runtergeschickt weil sie nicht mitgemacht haben) und von diesen 7 gibt es nun ca. 3 mit denen er seine wirklich „anspruchsvolle“ Show macht.

Das Ganze geht wie hier deutlich wird in sehr kleinen Schritten voran. Und je kleiner die Schritte sind, desto weniger weis man als Proband auch wann es Zeit ist auszusteigen. Es ist schwierig den „Point of no return“ zu finden und dann noch die Courage zu haben nicht mehr mit zu machen.

Und wenn nun die 3 Probanden in tiefer Trance nebeneinander auf der Bühne stehen wissen sie genau, sie haben den Punkt verpasst auszusteigen, sofern sie es denn wollten. Der psychische Druck nun Folge zu leisten ist enorm hoch. Bei 13 Menschen haben sie mitbekommen wie sie aussortiert wurden, 4 weitere liegen irgendwo in Trance rum und spielen keine Rolle mehr.

Der Druck, nun nicht zu versagen und mitzuspielen und auch der Druck, der vom Publikum kommt, die ja eine gute Show sehen wollen, ist gewaltig, ganz egal ob sie wirklich in Trance sind oder nicht. Sie wissen, was nun von ihnen erwartet wird.

Hier knickt der letzte Widerstand weg.

Der „Point of no Return“ wurde überschritten, ohne dass es bemerkt wurde.

Der Hypnotiseur kann nun quasi alles mit ihnen machen, was sie nicht in Lebensgefahr bringt, da sie sich unbewusst komplett auf den Hypnotiseur eingelassen haben. Und so fangen Menschen dann an zunächst harmlose Späße mitzumachen, die sich dann Stück für Stück immer weiter hochschaukeln, bis sie Tiere nachmachen, strippen, oder Rasierschaum essend sagen, wie lecker das Zitroneneis ist.

Das ist die Funktionsweise einer klassischen „gut gemachten“ Hypnoseshow.

Des Weiteren werden viele Tricks eingesetzt, die einen großen Effekt haben, ohne das Hypnose von nöten ist, damit sie funktionieren.

Hier ein paar Beispiele:

1. Die Kataleptische Brücke: Einem Menschen wird suggeriert er sei „steif wie ein Brett“ und wird so zwischen 2 Stühle gelegt, dass die Füße und der Oberkörper ab der Brust auf den Stühlen liegen. Ein anderer Mensch steigt nun kurz auf den frei schwebenden Teil des Körpers.

Abgesehen davon, dass es unverantwortlich ist, das zu tun ohne zuvor nach rückenleiden gefragt zu haben, ist jeder Mensch (auch zierliche Personen) im Wachzustand im Stande diese Belastung für kurze Zeit auszuhalten.

  1. Über Kohlen laufen: sieht spektakulär aus, ist aber wegen der schlechten Wärmeleiteigenschaften der Glut bei zügiger überqueerung im gesicherten Setting mit geringem Risiko verbunden.
  2. Das Fakir (Nagel)brett: ein Mensch stellt sich auf einem Fakirbrett auf den Rücken eines anderen Menschen. Auch dass ist weitgehend unproblematisch, das Gewicht wird auf die vielen Nägel verteilt und hinterlässt keine Verletzungen.

Es gibt noch viele weitere Tricks, die genutzt werden um möglichst großen Effekt zu erzielen. Oft werden auch noch klassische Zaubertricks mit eingebaut.

Zum Abschluß nocheinmal eine Auflistung der Faktoren, die bei einer Hypnoseshow wirken und die zu den klassischen Hypnose-Klischees beitagen:

1. Unbewusste „ja“ Haltung zur Showhypnose durch das Freiwillig melden

2. Soziale Isolation – Die Probanden werden aus ihrem sozialen Kontext gerissen

3. Selektion aus dem Publikum

4. Aussortieren von Probanden, die nicht schnell Anweisungen befolgen (compliance)

5. Aussortieren von Probanden, die nicht auf die Suggestibilitätstests reagieren

6. Erwartungsdruck durch das Publikum „nicht die Show zu versauen“

7. Selektion der hochsuggestiblen Kandidaten

8. Durch schrittweises Vorgehen wird der „point of no return“ verpasst

9. Es werden Pseudo-Hypnose-Tricks und Zaubertricks verwendet

10. und natürlich noch viele andere Faktoren.